Komponentensprache

Komponentensprache (Deutsch)

Substantiv, f

Singular

Plural

Nominativ die Komponentensprache

die Komponentensprachen

Genitiv der Komponentensprache

der Komponentensprachen

Dativ der Komponentensprache

den Komponentensprachen

Akkusativ die Komponentensprache

die Komponentensprachen

Worttrennung:

Kom·po·nen·ten·spra·che, Plural: Kom·po·nen·ten·spra·chen

Aussprache:

IPA: [kɔmpoˈnɛntn̩ˌʃpʁaːxə]
Hörbeispiele:  Komponentensprache (Info)

Bedeutungen:

[1] Linguistik: Sprache, die auf verschiedenen Ebenen Einflüsse unterschiedlicher Herkunftssprachen (Quellsprachen) aufweist

Herkunft:

[1] Determinativkompositum, zusammengesetzt aus Komponente, Fugenelement -n und Sprache

Sinnverwandte Wörter:

[1] Mischsprache

Oberbegriffe:

[1] Sprache

Beispiele:

[1] „Eine Komponentensprache ist eine voll ausgebildete eigenständige Sprache, in der nicht nur der Wortschatz, sondern auch die Strukturen der an der Sprachentstehung beteiligten Quellsprachen neuartige Verbindungen eingegangen sind, die die Strukturen und den Wortschatz der Quellsprachen nicht einfach mechanisch abbilden. Stattdessen weist eine Komponentensprache ein gegenüber den Quellsprachen eigenständiges grammatisches System, eigene Wortbildungsmuster und eigene semantische Felder auf.“[1]
[1] „Jiddisch ist eine eigenständige ‚schmélzsprach‘, eine Komponentensprache, geschöpft aus alten aramäisch-hebräischen, slawischen, romanischen und deutschen, später auch neuen hebräischen und englischen Quellen, mit eigener Semantik und Grammatik, in sich differenziert.“[2]
[1] „Als sogenannte Komponentensprache enthält Jiddisch insbesondere viele Elemente aus dem Mittelhochdeutschen, aus slawischen Sprachen, dem Hebräischen und Aramäischen.“[3]
[1] „Das Jiddische ist eine »Komponentensprache« (engl. fusion language, jidd. schmélzschprach) - eine voll ausgebildete, eigenständige Sprache, die durch Sprachkontakt in einer besonderen Situation der Mehrsprachigkeit überhaupt erst entstehen konnte und die durch solche anhaltenden Sprachkontakte in ihrem gesamten Sprachbau und ihrer kulturellen Semantik ausgeformt wurde.“[4]
[1] „Zum einen betritt man die vielfältig ausgeprägten, historisch und sozial konnotierten Räume unterschiedlicher Formen von Sprachbewusstsein und Sprachpraktiken: National- und Kunstsprachen, Mundarten vs. Schriftsprachen, Regionaldialekte, Fach- oder Wissenschaftssprachen, länderspezifische Ausprägungen wie argot/verlan in Frankreich oder surzhyk in der Ukraine, Hybrid- oder Komponentensprachen wie das Jiddische – sie alle hinterlassen ihre spezifischen Spuren in den literarischen Texten.“[5]

Übersetzungen

Referenzen und weiterführende Informationen:

Quellen:

  1. Marion Aptroot, Roland Gruschka: Jiddisch. Geschichte und Kultur einer Weltsprache. Originalausgabe, C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-52791-3, Seite 12.
  2. Pieke Biermann: Eine eigenständige „schmélzsprach“. In: Deutschlandradio Kultur. 12. August 2010 (URL, abgerufen am 25. April 2014).
  3. Sophie Neuberg: Die »verdorbene Sprache« lebt. In: Jüdische Allgemeine Online. 13. Januar 2011, ISSN 1618-9698 (URL, abgerufen am 25. April 2014).
  4. Roland Gruschka: Westjiddisch an Rhein und Main und im übrigen Europa. In: Monika Grübel, Peter Honnen (Herausgeber): Jiddisch im Rheinland. Klartext, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0886-4, Seite 15–40, Zitat Seite 17.
    Die Kursivsetzungen im Originalsatz von fusion language und schmélzschprach wurden nicht übernommen.
  5. Call for Papers – Variations 22 (2014), Mehrsprachigkeit / Polylinguisme / Polylingualism. Deutsches Seminar der Universität Zürich, 2014, abgerufen am 25. April 2014 (PDF).
    Die Kursivsetzungen im Originalsatz von argot/verlan und surzhyk wurden nicht übernommen.
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